Oliver Karrer wird nach Italien ausgeliefert

Vorwurf Kindesentführungen.

COLMAR (bnü). Das Appellationsgericht Colmar hat am Donnerstag die Auslieferung des Sorgerechtsaktivisten Olivier Karrer nach Italien und Deutschland angeordnet. Gegen den 52-Jährigen ermitteln Justizbehörden beider Länder wegen des Verdachts der Kindesentführung. Wie die Verhandlung ergab, liegt gegen Karrer nicht nur ein Haftbefehl der Staatsanwaltschaft München, sondern auch seit April ein entsprechender Antrag aus Mailand vor.

In Deutschland wird der Deutsch-Franzose für sieben Entführungen von Kindern aus binationalen Beziehungen zwischen 2004 und 2011 verantwortlich gemacht (BZ vom Donnerstag). Die italienische Justiz wirft ihm wiederum vor, die beiden Söhne eines deutsch-italienischen Paares im Auftrag der Mutter aus Bayern verschleppt und im nahen Ausland festgehalten zu haben.

Karrers Anwalt hat angekündigt, sein Mandant werde vor dem Pariser Kassationsgericht Berufung einlegen. Bis zu einer Entscheidung bleibt Karrer in Colmar in Haft. Im Falle einer Auslieferung dürfte er zuerst nach Italien überstellt werden. Damit hatte sich die Staatsanwaltschaft München im Vorfeld der Verhandlung am Donnerstag einverstanden erklärt. In Deutschland erwarten Karrer im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Gefängnis, in Italien liegt das Strafmaß bei bis zu 15 Jahren.

 

Karrer wies alle Vorwürfe von sich. Vor dem Hintergrund seines politischen Kampfes, den er führt, seit ihm ein Hamburger Gericht in den 90-ziger - Jahren das Sorgerecht für seinen Sohn entzogen hat, glaubt Karrer, die deutsche Justiz wolle ihn einschüchtern. Hiesige Jugendämter und Familiengerichte würden, so seine Überzeugung, das Sorgerecht bei binationalen Trennungen reflexartig dem deutschen Elternteil zuschlagen.

 

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