Oliver Karrer - Auslieferung erst nach Italien und anschließend nach Deutschland -

Franzose soll nach Deutschland ausgeliefert werden

 

AFP VOM 19.7.2012 | Nachrichten - Allgemein | 213 Aufrufe Mehr zum Thema:

Kindesentführung, Auslieferung

Mann soll Italienerin bei Kindesentführung geholfen haben

 

Im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Entführung Minderjähriger bei Sorgerechtsstreitigkeiten soll ein Franzose zuerst nach Italien und dann nach Deutschland ausgeliefert werden. Dies entschied am Donnerstag das Landgericht im elsässischen Colmar. Es gab damit Anträgen der Staatsanwaltschaften in Mailand und München statt. Der Anwalt des 52 Jahre alten Olivier Karrer kündigte umgehend Rechtsmittel gegen die Entscheidung an.

 

Die deutsche Justiz wirft Karrer vor, in mehrere Fälle von Kindesentführungen durch einen Elternteil bei Sorgerechtsstreitigkeiten in Deutschland verwickelt zu sein. In Italien wird er als mutmaßlicher Komplize einer Mutter gesucht, die nach der Trennung von ihrem deutschen Mann ihre beiden Kinder in Bayern entführen und nach Italien bringen ließ.

 

Karrer war vergangene Woche aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Straßburg festgenommen worden. Der Franzose hatte nach der Scheidung von seiner deutschen Frau selbst vergeblich zwölf Jahre lang um ein Umgangsrecht mit seinem Sohn gekämpft. Er gründete einen Verband europäischer Eltern, der die deutsche Praxis des Sorge- und Umgangsrechts anprangert. Die Vereinigung wirft den deutschen Behörden vor, systematisch die ausländischen Elternteile zu benachteiligen.

 

Bei der Anhörung in Colmar sagte Karrer, er wolle sich in Frankreich vor Gericht verantworten. Weder in Italien noch in Deutschland habe er eine Chance, angehört zu werden. Sein Anwalt sagte, sein Klient werde in Deutschland und Italien wegen "seiner politischen Meinung" verfolgt. Nach der Verhandlung sagte Karrer, der mit Handschellen abgeführt wurde, er solle offenbar "zum Schweigen gebracht" werden.

 

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Mailand half der Franzose der Italienerin Marinella Colombo, ihre Kinder zu entführen, für die der deutsche Vater das Sorgerecht hatte. Dafür soll er 10.000 Euro erhalten haben, was Karrer bestreitet. Colombo wurde in Italien wegen Kindesentführung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Fall der Italienerin, die bei der Anhörung in Colmar anwesend war, hatte in Deutschland und Italien für Wirbel gesorgt. Eine Klage der Frau ist derzeit beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig.

 

Im Januar hatte sich der Petitionsausschuss des Europaparlaments mit dem Vorgehen der deutschen Behörden bei binationalen Sorgerechtsstreitigkeiten befasst. Dem Ausschuss liegen mehr als hundert 120 Beschwerden vor, die vor allem die Rolle der Jugendämter bei Entscheidungen zum Sorge- und Umgangsrecht kritisieren.

 

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